
Auslandsdienst Des Polnischen Rundfunks, 12.08.2010
Frau
Miroslawa Stroinska hat sich vorgenommen zu Fuß die
ehemalige Bernsteinstraße zu durchstreifen. Sie
bearbeitete eine Strecke aus Prag an die Ostseeküste
und aus Prag nach Linz. Einen Teil der Strecke hat
sie schon gemacht. In der zweiten Augusthälfte 2010
möchte sie die Unternehmung fortsetzen.
Eine Polin auf der
Bernsteinstraße in Österreich
Am 16. August, eine aus Posen
stammende Miros³awa Stroiñska machte sich zu Fuß auf
den Weg entlang der Bernsteinstraße. Bis zu diesem
Zeitpunkt bewanderte sie in ein Paar Etappen fast
1500 Km. Jetzt hat sie die letzte Strecke zu
bewandern, die aus Linz nach Aquileia in Italien
führt. Sie gilt als die erste Frau, die eine
Herausforderung unternahm, die ganze Bernsteinstraße
von Ostseeküste nach Italien zu bewandern.
Am Sonntagabend, dem 15. August steigt Frau
Miros³awa auf dem Westbahnhof in Wien in den Zug
nach Linz um. Energievoll und lächelnd steigt sie
aus dem Zug aus Polen. An ihrem Rucksack hat sie
eine polnische und österreichische Flagge befestigt.
Die zweisprachigen Anschriften informieren über die
Bernsteinstraße und Szlak Bursztynowy. Sie trägt
eine Halskette aus Bernstein. Auf dem Rucksack hängt
auch ein Bernstein. Spät in der Nacht erreicht sie
Linz in Oberösterreich, durch Steiermark und Kärnten
zu einem ehemaligen Handels- und
Verarbeitungszentrum des Bernsteins, der Stadt
Aquileia.
Es gelingt mir, ein Interview mit Frau Miros³awa zu
verabreden, denn sie hat schon hinter sich eine
ganze Woche der Wanderung. Am Sonntag, dem 22.
August ist sie von einer in Judenburg bewohnten
polnischen Familie Prokop empfangen. - Ich bin ihnen
sehr dankbar, dass sie mir so viel geholfen haben.
Es ist für mich sehr wichtig, mich psychisch zu
erholen und mit den Leuten polnisch zu sprechen.
(...)
Wie ist Ihr Befinden nach dem Durchstreifen über 100
Km in Österreich? - frage ich. - In diesem Jahr
hatte ich leider keine Zeit für längere Trainings,
so hatte ich an den ersten Tagen Schwierigkeiten,
die geplanten 30 Km- Strecken zu durchstreifen.
Anfangs habe ich auch mit Regen gekämpft und dann
hat eine Hitze geherrscht. Ich hatte auch Probleme,
mich mit Wasser zu versorgen. Besonders schwierig
schienen mir die Strecken zwischen den kleineren
Ortschaften zu sein, wo es keine Geschäfte gegeben
hat. Ich konnte doch keine großen Vorräte machen,
weil das eine zusätzliche Belastung bedeutet -
erwidert Frau Miros³awa.
-
Die Leute empfangen mich sehr herzlich und reagieren
auf mich und meine Leidenschaft fantastisch. Einige
sind erstaunt und verstehen meine einsame Wanderung
nicht, einige halten an, um sich mit mir einfach zu
unterhalten - Vor zwei Tagen habe ich einen netten
Mann getroffen, der an meiner Wanderung sehr
interessiert war. Er wurde auf meinen Bernstein an
dem Rucksack aufmerksam. Er hat mich mit seinem
Wissen über Bernsteinstraße wirklich überrascht.
(...)
Was war die schwierigste Strecke während Ihrer
Wanderung? - sie überlegt die Antwort - Bestimmt die
Route aus dem Pyhrnpass. Es war für mich schwer zu
glauben, dass ich dort gekommen bin, als ich endlich
mein Ziel erreicht habe. Sehr schwierig war auch für
mich eine Strecke in St. Johann an Tauern, weil der
gewundene Weg steil den Berg hinauf geführt hat.
-
Manchmal passiert ein Tag- erzählt sie - an dem eine
Krise kommt. Heute z.B. nach 10 Km habe ich mich
immer wieder gesetzt, ich bin von einer bis zu einer
anderen Raststätte gegangen und habe mich gefreut,
dass es unterwegs so viele Bänke zum Rasten gibt.
Die Spuren von den im Fels ausgehauten Wegen, die
behaltenen alten Namen von einigen Ortschaften,
Spuren von Mauern - alle diese Spuren, die ich
unterwegs angetroffen habe, bereiten mit viel Spaß
und Freude und lassen mir die Strapazen überwinden
und meine Krisen durchbrechen.
Woran denken Sie während der Wanderung? - indem ich
eine schwierige Strecke mache denke ich mir daran,
wie sich die Bernsteinkaufleute gefühlt haben, indem
sie bei Regen und Hitze und belastet mit schweren
Bündeln gewandert sind. Es hängt mir daran, die
ganze Bernsteinstraße genau zu beschreiben, und die
Wege, die verschiedene Leute aus den so weit
entfernten Ländern verbunden haben,
wiederherzustellen. Ich will den Menschen erinnern,
wie viel Anstrengung die menschlichen Kontakte
verlangt haben.
Worum geht es bei so einer Wanderung, welche
Erfahrungen lässt sie sammeln? - frage ich. -
Während der Wanderung freut mich jede Kleinigkeit.
Freude bereiten mit Äpfel, die ich von einer
Gastgeberin bekommen habe. So ein Apfel ist wie ein
Schatz, wenn man so lange unterwegs ist. Ich
beobachte die Kühe, die sich neben einem Weg weiden
und freue mich, wenn sie so nah herankommen. Der
bellende Hund freut mich und vor allem habe ich viel
Freude an den gepflegten Gärten. (...)
- Im Oblast Kaliningrad habe ich einen ergreifenden
Moment erlebt, als ich trockenen Faden mehr am Leibe
hatte und eine Übernachtung irgendwo gesucht habe.
Von einer getroffenen fremden Frau habe ich erfahren,
dass es in der Nähe keinen Platz zum Übernachten
gibt. Dann hat sie gefragt: wie viele seid ihr? Als
ich ihr gesagt habe, dass ich alleine wandere, ohne
zu zögern hat sie mich in ihre Wohnung eingeladen
und mir alles gegeben, was sie nur selbst hatte. Und
sie hatte nicht zu viel. Das sind für mich sehr
wichtige Momente.
Frau Miros³awa hebt hervor, dass sie zu der nächsten
Expedition von Personen motiviert wurde, die ihre
Wanderung auf der Bernsteinstraße von Anfang an
verfolgt haben. Sie hat viele E- Mails mit einer
Anfrage bekommen, ob sie ihre Unternehmung plant,
fortzusetzen. Sie hat deswegen eine Entscheidung
getroffen, nach Aquileia zu gelangen. In Aquileia
möchte sie den Hafen besuchen, gerade dorthin hat
die Bernsteinstraße geführt.
